Nachdem die internationalen Märkte gestern unter dem Eindruck massiver Ölpreisspitzen und einer drohenden Eskalation im Iran-Krieg eingebrochen waren, zeigt sich am heutigen Dienstag, den 10. März 2026, eine erste, wenn auch vorsichtige technische Erholung.
Die Händlersäle in Frankfurt und New York pendeln zwischen der Erleichterung über eine leichte Entspannung am Ölmarkt und der Sorge vor der nächsten Eskalationsstufe.
DAX: Die psychologische Abwehrschlacht bei 23.000 Punkten
Der deutsche Leitindex konnte sich nach dem gestrigen Sturz unter die 23.000er-Marke heute Vormittag etwas stabilisieren.
- Aktueller Stand: Der DAX notiert am Nachmittag bei 23.835 Punkten (+2,9 % gegenüber dem gestrigen Schlusskurs). Händler sprechen von einer „überfälligen Gegenreaktion“, nachdem technische Oszillatoren bereits ein massiv überverkauftes Niveau signalisiert hatten.
- Toptitel: Erneut gehören Rüstungswerte wie Rheinmetall und Hensoldt zu den Gewinnern. Auch Siemens Energy zeigt sich robust, da die Nachfrage nach autarken Energienetzen in der aktuellen Krise sprunghaft ansteigt.
- Verlierer: Energiekostenintensive Titel, insbesondere aus der Chemiebranche (BASF, Covestro), bleiben unter Druck, da die Unsicherheit über die Gas- und Ölversorgung aus dem Nahen Osten die langfristige Planung erschwert.International:
- Trumps „Ending-Soon“-Rhetorik beruhigt Wall Street In den USA sorgten Äußerungen von Präsident Trump am späten Montagabend für eine Beruhigung der Gemüter. Seine Aussage, der Konflikt sei „weit vor dem Zeitplan“ und könnte „sehr bald“ enden, führte an den asiatischen und nun auch an den US-Börsen zu Eindeckungskäufen.Wall Street: Der Dow Jones und der S&P 500 werden zur Eröffnung stabil bis leicht im Plus erwartet. Anleger ignorieren dabei vorerst die Warnungen von Verteidigungsminister Hegseth vor „intensivsten Luftschlägen“ am heutigen Dienstag und setzen voll auf Trumps Narrativ eines schnellen Sieges.
Währungen: Der Euro stabilisiert sich bei etwa 1,16 US-Dollar. Die gestrige Flucht in den „sicheren Hafen“ Dollar hat vorerst nachgelassen, doch die Angst vor einem inflationären Energieschock in Europa bleibt das dominierende Thema für Währungshändler.
Rohstoffe: Ölpreis rutscht unter die 100-Dollar-Marke
Die wichtigste Nachricht des Tages kommt von den Rohstoffbörsen. Nachdem der Preis für ein Barrel der Sorte Brent gestern zeitweise die 120-Dollar-Marke attackiert hatte, kam es heute zu einer deutlichen Korrektur.
Preisentwicklung: Rohöl der Sorte Brent wird aktuell bei rund 98 US-Dollar gehandelt. US-Leichtöl (WTI) notiert bei etwa 91 US-Dollar.
- Hintergrund: Die Ankündigung der G7-Staaten, strategische Ölreserven in großem Stil freizugeben, sowie die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kampfhandlungen haben die Spekulationsblase des gestrigen Tages vorerst platzen lassen.
- Gold: Das Edelmetall hält sich weiterhin auf hohem Niveau bei etwa 2.430 US-Dollar pro Unze, da viele institutionelle Anleger trotz der täglichen Kurssprünge bei Aktien skeptisch bleiben.
Kritische Einschätzung: Eine trügerische Ruhe?
Die heutige Markterholung steht auf tönernen Füßen. Analysten warnen, dass die Börsen aktuell „auf Sicht fahren“. Jede Nachricht über eine dauerhafte Blockade der Straße von Hormus oder einen iranischen Gegenschlag gegen saudische Förderanlagen könnte den DAX innerhalb von Minuten wieder um 1.000 Punkte nach unten reißen.
Die Volatilität (VDAX-New) bleibt auf einem Rekordniveau. Experten raten Privatanlegern weiterhin zur Zurückhaltung bei Neuinvestitionen, bis eine echte diplomatische Deeskalation oder ein stabiler Waffenstillstand greifbar ist. mei
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