Während das Pentagon täglich neue Erfolgsmeldungen über die „Dezimierung der iranischen Infrastruktur“ verbreitet, zeichnet die Stimmung innerhalb der US-Bevölkerung ein Bild tiefer Zerrissenheit.
Zwölf Tage nach Beginn der massiven Luftschläge gegen den Iran bröckelt die anfängliche „Rally 'round the flag“-Euphorie, die oft zu Beginn militärischer Interventionen zu beobachten ist.
Die nackten Zahlen: Eine Mehrheit gegen den Krieg
Aktuelle Umfragen vom März 2026 (u.a. Quinnipiac und Reuters/Ipsos) verdeutlichen, dass Präsident Trump entgegen seiner Selbstdarstellung keine breite Mehrheit hinter sich hat:
- Ablehnung: Etwa 53 % bis 56 % der US-Wähler lehnen das militärische Vorgehen ab.
- Zustimmung: Nur etwa 27 % bis 40 % (je nach Institut) unterstützen die Luftangriffe aktiv.
- Die Gräben: Die Polarisierung folgt fast exakt den Parteigrenzen. Während ca. 85 % der Republikaner den Einsatz befürworten, stoßen die Angriffe bei 89 % der Demokraten und über 60 % der Unabhängigen auf scharfe Ablehnung.
Die „America First“-Dissonanz
Innerhalb der MAGA-Bewegung regt sich ein bemerkenswerter Widerspruch. Trump, der im Wahlkampf 2024 erneut versprochen hatte, Amerikas „ewige Kriege“ zu beenden, wird nun von Teilen seiner eigenen Basis kritisiert.
- Kritik: Libertäre Flügel und isolationistische Anhänger werfen der Regierung vor, sich in ein „Irak 2.0“-Szenario hineinziehen zu lassen. Die Sorge, dass aus den versprochenen „chirurgischen Schlägen“ eine langjährige Besatzung mit Bodentruppen wird, ist massiv: Laut Quinnipiac lehnen 74 % der Amerikaner den Einsatz von Bodentruppen kategorisch ab.
Der „Geldbeutel-Faktor“ und die Angst vor Terror
Zwei pragmatische Ängste dominieren die öffentliche Debatte stärker als moralische Erwägungen:
- Benzinpreise: Mit dem Ölpreis, der die 100-Dollar-Marke pro Barrel übersprungen hat, fürchten die Amerikaner eine Inflationswelle. In den Vorstädten ist die Unterstützung für den Krieg direkt an die Anzeige an der Zapfsäule gekoppelt.
- Innere Sicherheit: Über 75 % der Befragten befürchten als direkte Folge der Angriffe terroristische Vergeltungsschläge auf US-Boden. Diese Angst wird durch die aggressive Rhetorik aus Teheran und die Unklarheit über die Handlungsfähigkeit der verbliebenen Revolutionsgarden befeuert.
Proteste in über 50 Städten
Seit dem vergangenen Wochenende (7./8. März) hat die Anti-Kriegs-Bewegung an Fahrt gewonnen. In über 50 Städten, darunter New York, Los Angeles und Chicago, gingen Zehntausende auf die Straße.
- Motive: Die Demonstranten kritisieren vor allem das fehlende Mandat des Kongresses. Die Rhetorik von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der von „Tod und Zerstörung vom Himmel“ sprach, wird von liberalen Medien und Aktivisten als „verstörend und blutrünstig“ gebrandmarkt.
Fazit
Die US-Bevölkerung ist am 12. März 2026 so tief gespalten wie seit dem Vietnamkrieg nicht mehr. Während eine loyale Basis den „starken Anführer“ feiert, sieht die Mehrheit der Amerikaner in dem Konflikt ein unnötiges Risiko für die nationale Sicherheit und die Weltwirtschaft. Präsident Trump agiert derzeit gegen den Willen der Mehrheit, was die kommenden Zwischenwahlen zu einem Referendum über diesen Krieg machen könnte. mei
Foto: Pixabay
