Während die militärischen Operationen gegen den Iran am 14. Tag andauern, hat sich in Washington eine rhetorische Härte etabliert, die selbst für die Verhältnisse der Trump-Administration beispiellos ist.
Kritiker und internationale Beobachter warnen, dass die Wortwahl von Präsident Donald Trump und seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht nur diplomatische Brücken verbrennt, sondern die Schwelle für Kriegsverbrechen gefährlich absenkt.
Donald Trump: die Rückkehr des „Madman“
Präsident Trump nutzt seine täglichen Briefings und Social-Media-Kanäle, um eine Sprache der absoluten Überlegenheit und Vernichtung zu pflegen. Die Entmenschlichung: Trump bezeichnet die iranische Führung konsequent als „blutrünstige Bestien“ und „Steinzeit-Diktatoren“. Diese Rhetorik dient dazu, den Gegner moralisch zu entwerten und jegliche Verhandlungsbasis im Keim zu ersticken.
- Drohung mit kulturellen Zielen: In einer viel beachteten Rede am 11. März deutete Trump an, dass „nichts tabu“ sei, wenn Teheran weiterhin US-Stützpunkte angreife. Die implizite Drohung gegen kulturelle Erbestätten – eine Wiederholung seiner Drohungen aus dem Jahr 2020 – wird international als Ankündigung von Verstößen gegen das Haager Abkommen gewertet.
- „The End of Iran“: Seine Aussage, er wolle nicht nur das Regime stürzen, sondern „den Iran als Bedrohung von der Landkarte wischen“, lässt bewusst offen, ob damit eine politische oder eine physische Vernichtung gemeint ist.
Pete Hegseth: Die Sakralisierung des Krieges
Verteidigungsminister Pete Hegseth, dessen Ernennung bereits im Vorfeld für Kontroversen gesorgt hatte, ergänzt Trumps impulsive Rhetorik durch eine ideologisch aufgeladene, fast religiöse Kriegssprache.
- „Kreuzzug für die Zivilisation“: Hegseth spricht in Interviews oft von einem „Kampf zwischen der zivilisierten Welt und der Finsternis“. Diese binäre Logik (Gut gegen Böse) lässt keinen Raum für geopolitische Nuancen oder die Berücksichtigung der iranischen Zivilgesellschaft.
- Verherrlichung von Gewalt: In einer Ansprache vor Truppen auf dem Flugzeugträger USS Gerald R. Ford lobte Hegseth die „tödliche Effizienz“ und sprach davon, man werde den Gegner „in die Hölle schicken, wo er hingehört“. Kritiker werfen ihm vor, das Militär nicht als Instrument der Verteidigung, sondern als Werkzeug einer göttlichen Vergeltung darzustellen.
- Missachtung des Völkerrechts: Auf Fragen zu zivilen Opfern (wie in Minab) reagierte Hegseth mit der kühlen Bemerkung: „Wer sich mit Teufeln einlässt, darf sich über das Feuer nicht wundern.“ Diese Relativierung von zivilen Toten wird von Menschenrechtsorganisationen als Freibrief für rücksichtsloses militärisches Vorgehen gewertet.
Die Folgen: Radikalisierung und Isolation
Die heftige Wortwahl hat reale Konsequenzen jenseits der Mikrofone:
- Propagandafutter für Teheran: Die harten Worte aus Washington werden vom verbliebenen iranischen Staatsfernsehen genutzt, um die Bevölkerung hinter die Verteidigung des „Mutterlandes“ zu scharen. Die Rhetorik der „Vernichtung“ schweißt selbst Regimegegner und Nationalisten zusammen.
- Entfremdung der Alliierten: In Europa (insbesondere in Berlin und Paris) wächst die Sorge, dass die USA jedes Maß verloren haben. Diplomaten berichten von einer „Eiszeit“, da die Sprache Trumps und Hegseths jede europäische Vermittlungsbemühung als „Schwachsinn“ oder „Verrat“ brandmarkt.
- Innere Spaltung der USA: Die Wortwahl befeuert die Proteste im Inland. Während die MAGA-Basis die „klaren Worte“ feiert, sehen Liberale darin den Beweis für eine schleichende Faschisierung der Außenpolitik.
Fazit
Die Rhetorik von Trump und Hegseth im März 2026 ist weit mehr als nur politisches Getöse. Sie ist eine verbale Eskalationsspirale, die den Krieg moralisch entgrenzt. Indem sie den Gegner entmenschlichen und die Gewalt sakralisieren, entziehen sie dem Konflikt jede rationale Exit-Strategie. Das Risiko besteht darin, dass die Sprache Fakten schafft, hinter die auch das US-Militär irgendwann nicht mehr zurückkehren kann.
In Teheran wird die rhetorische Aggression aus Washington mit einer Mischung aus kalkuliertem Trotz und einer gefährlichen Neuausrichtung der Macht beantwortet. Die Sprache des „totalen Sieges“ und der „Vernichtung“ hat im Iran eine Dynamik ausgelöst, die eine diplomatische Lösung in weite Ferne rückt.
Die Ära Mojtaba: Härte als Legitimation
Nach der Bestätigung des Todes von Ali Chamenei wurde am 8. März sein Sohn, Mojtaba Chamenei, in einem hocheiligen (und von US-Angriffen gestörten) Verfahren zum neuen Obersten Führer ernannt.
- Gegenrhetorik: In seiner ersten schriftlichen Botschaft vom 12. März griff Mojtaba die Vernichtungsdrohungen direkt auf. Er sprach nicht mehr von Verteidigung, sondern von einem „regret-inducing defense“ (einer Verteidigung, die Reue hervorruft).
- Symbolik: Das Staatsfernsehen IRIB inszeniert den neuen Führer als „Fels in der Brandung“. Trumps Beleidigungen werden als Angriff auf die gesamte schiitische Identität umgedeutet, um Nationalstolz zu wecken und die Bevölkerung trotz der Bomben zu mobilisieren.
„Auge um Auge“: Die Sprache der Revolutionsgarden
Die Revolutionsgarden (IRGC) nutzen die US-Rhetorik, um ihre eigene Eskalation zu rechtfertigen.
- Drohung gegen die Region: Als Reaktion auf Hegseths Versprechen von „Tod und Verderben vom Himmel“ erklärte ein Armeesprecher im iranischen Fernsehen: „Wenn unsere Häfen brennen, wird kein Hafen in dieser Region mehr sicher sein.“ Dies ist eine direkte Drohung an die Nachbarstaaten (VAE, Saudi-Arabien, Kuwait), ihre Kooperation mit den USA einzustellen.
- Spott über High-Tech: Parlamentspräsident Ghalibaf verspottete öffentlich die „chirurgische Präzision“ der USA und behauptete, Irans asymmetrische Kriegführung habe die westliche Technik bereits als „nutzloses Spielzeug“ entlarvt – ein Narrativ, das trotz massiver Verluste die Moral der eigenen Truppen stützen soll.
Radikalisierung nach Innen
Die verbale Härte aus Washington wird in Teheran als Freibrief für interne Repression genutzt:.
- Feindmarkierung: Regierungsnahe Moderatoren auf IRIB warnen Kritiker im Inland: „Wer jetzt auf die Straße geht, tut dies auf Befehl des Feindes [Trump] und wird als Kombattant behandelt.“ Jede Opposition wird als „Verrat in Zeiten der Vernichtung“ gebrandmarkt.
- Opfer-Kult: Die Bilder der zerstörten Mädchenschule in Minab werden in Endlosschleife gezeigt, unterlegt mit den Zitaten von Hegseth über „Kollateralschäden“. Dies dient dazu, die USA als „Monster“ darzustellen, mit denen Verhandlungen moralisch unmöglich sind.
Vergleich der Kriegsrhetorik
- Trump / Hegseth Bedingungslose Kapitulation, technologische Überlegenheit. US-Basis, Abschreckung der Verbündeten Teherans.
- Mojtaba Chamenei Ewige Rache („Blut für Blut“), heiliger Widerstand. Iranische Bevölkerung, globale schiitische Community.
- Revolutiongarden Regionale Zerstörung („Wenn wir fallen, fallt ihr auch“). Arabische Nachbarstaaten, US-Logistiknetzwerke.
Fazit: Die „Wort-Falle“
Die aggressive Rhetorik hat eine Symmetrie des Unnachgiebigen geschaffen. Während Trump durch seine Wortwahl sein politisches Schicksal an einen „totalen Sieg“ geknüpft hat, hat die neue iranische Führung unter Mojtaba Chamenei keine andere Wahl, als mit maximaler Härte zu reagieren, um ihre fragile Legitimität zu sichern. Das Ergebnis ist ein Krieg, in dem Worte zu Mauern geworden sind, die jeden Rückzugsweg versperren. mei
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