Was war der eigentliche Zweck des legendären Stonehenge? - Erklärungsversuche

Den einen einzigen Zweck gab es vermutlich nicht. Stonehenge wurde über einen Zeitraum von gut 1.500 Jahren (ca. 3000 bis 1500 v. Chr.) in mehreren Phasen erbaut und genutzt.

 

Seine Funktion hat sich in dieser langen Zeit höchstwahrscheinlich verändert und erweitert.

Die moderne Archäologie ist sich heute jedoch einig, dass die Anlage eine Kombination aus drei Hauptfunktionen war:

 

Ein monumentaler Sonnenkalender (Astronomische Ausrichtung)

 

Die Achse der gesamten Anlage ist präzise nach den Sonnenwenden ausgerichtet.

  • Sommersonnenwende: Wer im Mittsommer im Zentrum der Anlage steht, sieht die Sonne genau über dem nordöstlich gelegenen „Heel Stone“ (Fersenstein) aufgehen.
  • Wintersonnenwende: Noch wichtiger war für die Erbauer vermutlich die Wintersonnenwende im Dezember. Genau entgegengesetzt ging die Sonne damals zwischen den beiden größten Pfeilern der zentralen Steingruppe (Trilithen) unter. Dies markierte den Wendepunkt, ab dem die Tage wieder länger wurden – überlebenswichtig für eine bäuerliche Gesellschaft.
  • Die präzise Ausrichtung auf die Sonnenwenden prägt die Architektur von Stonehenge

Eine riesige Begräbnisstätte

  • In seiner frühesten Phase (ab ca. 3000 v. Chr.) – noch bevor die riesigen, heute bekannten Sandsteine aufgerichtet wurden – war Stonehenge vor allem ein Friedhof. Archäologen haben in den sogenannten „Aubrey-Löchern“ (einem kreisförmigen Ring aus Gruben) die kremierten Überreste von geschätzt 150 bis 240 Menschen gefunden.
  • Strontium-Analysen der Knochen zeigten, dass viele der dort Bestatteten gar nicht aus der Region stammten, sondern teilweise aus dem Hunderte Kilometer entfernten Wales – dort, woher auch die kleineren „Blausteine“ der Anlage transportiert wurden.

Ein ritueller Begegnungs- und Heilungsort

 

Stonehenge war das spirituelle Zentrum einer weit verzweigten Kulturlandschaft.

  • Feste und Pilgerorte: Ausgrabungen im nahegelegenen Durrington Walls (einer zeitgleichen Siedlung) zeigen, dass zu den Sonnenwenden Tausende Menschen für gigantische Feste zusammenkamen. Tierknochen weisen darauf hin, dass die Menschen von weit her anreisten und Fleisch für gemeinsame Gelage mitbrachten.
  • Ort der Heilung: Eine populäre Theorie besagt zudem, dass den walisischen Blausteinen magische oder heilende Kräfte zugeschrieben wurden. Viele der dort bestatteten Personen wiesen Spuren von schweren Krankheiten oder Verletzungen auf, was Stonehenge zu einer Art prähistorischem „Lourdes“ gemacht haben könnte – einem Ort, an den Menschen kamen, um Heilung zu suchen.

Fazit: Stonehenge war weder eine reine Sternwarte noch ein reiner Friedhof. Es war ein heiliger, multifunktionaler Ort – eine monumentale Bühne für Ahnenkult, spirituelle Feste und die rituelle Verankerung der Gemeinschaft im Zyklus der Jahreszeiten. mei

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