Über Jahrzehnte hinweg blieben die Morde an der Küste von Long Island (New York) eines der größten Kriminalrätsel der USA. Erst im Jahr 2023 wendete sich das Blatt, als der unauffällige Architekt Rex Heuermann verhaftet wurde.
Er führte ein extremes Doppelleben: Nach außen hin ein etablierter Geschäftsmann und Familienvater, im Geheimen ein brutaler Serienmörder. Im Frühjahr und Sommer 2026 fand das juristische Verfahren seinen endgültigen Abschluss.
Herkunft und bürgerliches Leben
Rex A. Heuermann (62) wurde in New York geboren und wuchs in Massapequa Park auf, einer typischen Vorstadtsiedlung im Einzugsbereich von Long Island. In genau diesem Haus, das er später von seinen Eltern übernahm, lebte er bis zu seiner Festnahme.
- Beruflich schlug Heuermann eine erfolgreiche Laufbahn ein: Er arbeitete als selbstständiger Architekt und Architekturberater und gründete seine eigene Firma im Herzen von Midtown Manhattan.
- Geschäftspartner und Nachbarn beschrieben ihn rückblickend oft als unauffällig, wenngleich er aufgrund seiner massiven Statur von fast zwei Metern und seines oft hölzernen Auftretens auffiel.
- Er war verheiratet und hatte eine Tochter sowie einen Stiefsohn. Seine Ehefrau reichte kurz nach seiner Verhaftung die Scheidung ein, welche 2025 rechtskräftig wurde.
Die Verbrechen: Der „Gilgo Beach“-Fall
Die Mordserie, die Heuermann zugeschrieben wird, erstreckte sich über einen Zeitraum von 1993 bis 2010. Seine Opfer waren fast ausnahmslos junge, oft sehr zierliche Frauen, die als Sexarbeiterinnen tätig waren und über Plattformen wie Craigslist kontaktiert wurden. Heuermann lockte sie zu Verabredungen, erdrosselte sie und ging bei der Beseitigung der Leichen methodisch vor. Einige der Opfer wurden zerstückelt.
- Die Entdeckung der Verbrechen begann im Mai 2010 eher zufällig durch das spurlose Verschwinden einer Frau namens Shannan Gilbert, die nach einem panischen Notruf vermisst wurde.
- Bei der großangelegten Suche nach ihr stieß die Polizei im Dezember 2010 entlang des einsamen Ocean Parkway nahe Gilgo Beach auf die sterblichen Überreste von vier Frauen – den sogenannten „Gilgo Four“.
- Bis zum Frühjahr 2011 wurden in der Region insgesamt zehn Leichenteile bzw. Skelette gefunden. Zu den Opfern, die nachweislich von Rex Heuermann getötet wurden, gehören:
Die „Gilgo Four“: Melissa Barthelemy, Megan Waterman, Amber Lynn Costello und Maureen Brainard-Barnes (entdeckt 2010).
Weitere Opfer: Valerie Mack, Jessica Taylor, Sandra Costilla und Karen Vergata. Die Überreste einiger dieser Frauen waren über verschiedene Abschnitte Long Islands (darunter Manorville und Fire Island) verstreut und teilweise erst Jahre später zweifelsfrei identifiziert worden.
- Um die Angehörigen zu quälen, nutzte der Täter nach den Morden wiederholt die Mobiltelefone der Opfer. Im Fall von Melissa Barthelemy rief er deren 15-jährige Schwester über Wochen hinweg an, verhöhnte sie und spottete über den Tod der jungen Frau.
Ermittlungserfolg durch DNA und Technik
Über ein Jahrzehnt blieben die Ermittlungen wegen Behördenkonflikten und mangelnder Spuren blockiert. Der Durchbruch gelang einer 2022 neu gegründeten Taskforce durch eine Kombination aus moderner Technologie und klassischen Indizien:
- Das Fahrzeug: Zeugen hatten im Jahr 2010 im Umfeld des Verschwindens von Amber Costello einen auffälligen, großen Mann und dessen grünen Chevrolet Avalanche beschrieben. Dieses Auto konnte schließlich Heuermann zugeordnet werden.
- Mobilfunkdaten: Die Ermittler glichen die Daten von Wegwerf-Handys (Burner Phones), mit denen die Opfer kontaktiert wurden, ab. Die Signale stammten stets aus unmittelbarer Nähe von Heuermanns Büro in Manhattan oder seinem Wohnort in Massapequa Park. Zudem nutzte er diese Telefone für extrem explizite und gewaltsame Suchanfragen im Internet.
- Die Pizzakruste: Ermittler beschatteten Heuermann Anfang 2023 in Manhattan und stellten eine von ihm weggeworfene Pizzaschachtel sicher. Die DNA-Analyse der darauf befindlichen Pizzakruste lieferte eine exakte Übereinstimmung mit männlichen Haaren, die damals auf den in Sackleinen eingewickelten Leichen der Opfer gesichert worden waren.
- Am 13. Juli 2023 wurde Rex Heuermann vor seinem Büro in Manhattan festgenommen.
Das Urteil und die Verurteilung (2026)
Nachdem Heuermann jahrelang seine Unschuld beteuert hatte, kam es im Frühjahr 2026 zu einer überraschenden Wende im Verfahren, da die Beweislast der Staatsanwaltschaft – darunter digitale „Blueprints“ zur Planung seiner Taten – als erdrückend galt.
- Das Geständnis (April 2026): Am 8. April 2026 legte Rex Heuermann vor dem Supreme Court in Suffolk County ein umfassendes Geständnis ab. Er bekannte sich des dreifachen Mordes ersten Grades sowie des vierfachen Mordes zweiten Grades an insgesamt sieben Frauen schuldig.
- Im Rahmen einer Absprache (Plea Deal) räumte er zudem die Tötung eines achten Opfers, Karen Vergata (ermordet 1996), ein.
- Das Strafmaß (17. Juni 2026): Am 17. Juni 2026 wurde das endgültige Urteil durch Richter Timothy Mazzei verkündet. Heuermann wurde zu drei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen ohne die Möglichkeit auf Bewährung sowie zu weiteren 100 Jahren bis lebenslänglich verurteilt.
Der Richter bezeichnete den sichtlich ungerührten 62-jährigen Heuermann im vollbesetzten Gerichtssaal als „feigen und abscheulichen Mann“. Im Rahmen des Urteils wurde festgelegt, dass Heuermann die Strafe in einem Hochsicherheitsgefängnis des Bundesstaates New York verbüßen muss. Zudem stimmte er zu, künftig mit der Spezialeinheit des FBI für Verhaltensanalyse (Behavioral Analysis Unit) zu kooperieren, um tiefere Einblicke in die Psychologie von Serienmördern zu geben. mei
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