Fußball-WM: Zittersieg der deutschen Mannschaft in letzter Minute - Elfenbeinküste robust und clever - Deutsche Spieler in der Einzelkritik

Nach dem berauschenden 7:1-Auftakt gegen Curaçao folgte für die Mannschaft von Julian Nagelsmann im zweiten WM-Gruppenspiel der Realitätscheck.

 

Beim dramatischen 2:1-Zittersieg im Toronto Stadium offenbarte das deutsche Team rund eine Stunde lang gravierende Mängel in der Balance, im Aufbauspiel und in der defensiven Absicherung.

 

Robust und taktisch clever

 

Gegen physisch robuste und taktisch clever gestaffelte Ivorer lief die unveränderte Startelf über weite Strecken ideenlos an. Folgerichtig ging die Elfenbeinküste durch einen verdienten Treffer von Franck Kessié (30.) in Führung. Die DFB-Elf wankte zu Beginn der zweiten Halbzeit erheblich und hatte Glück, nicht höher in Rückstand zu geraten.

 

  • Erst ein radikaler Dreifachwechsel in der 59. Minute wendete das Blatt. Amiri brachte Struktur, Leweling Dynamik und der überragende Super-Joker Deniz Undav rettete mit seinem Doppelpack (67., 90.+4) den glücklichen Sieg und den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale.
  • Auch wenn das Ergebnis stimmt, zeigt die Partie deutlich: Gegen internationale Top-Teams ist das Nagelsmann-System defensiv hochgradig anfällig.

Einzelkritik

  • Manuel Neuer: Note 3,0 Beim Gegentreffer durch Kessié machtlos. Rettete in der wackeligen Phase nach der Pause stark gegen den anstürmenden Diomande und bewahrte sein Team vor dem Vorentscheid. Am Ball gewohnt ruhig, leistete sich im Aufbau jedoch untypische Ungenauigkeiten.
  • Joshua Kimmich: Note 4,0 Der Kapitän rieb sich in intensiven Zweikämpfen auf, fand jedoch auf der rechten Seite selten die Balance zwischen Offensivdrang und Absicherung. Wurde von den schnellen ivorischen Außenbahnen mehrfach schmerzhaft überspielt.
  • Jonathan Tah: Note 4,0 Hatte als Abwehrchef extreme Probleme mit der Wucht und Tiefendynamik der afrikanischen Stürmer. Konnte der Defensivreihe in der kritischen ersten Stunde keinerlei Stabilität verleihen.
  • Nico Schlotterbeck: Note 4,5 Ein gebrauchter Arbeitstag. Wirkte im Stellungsspiel unsicher, leistete sich leichtfertige Ballverluste im Vorwärtsgang und agierte beim Gegentor zu passiv. Folgerichtig bereits zur Pause ausgewechselt.
  • Nathaniel Brown: Note 4,0 Bemüht, aber dem extremen physischen Druck der Elfenbeinküste phasenweise nicht gewachsen. Offensiv fehlte dem jungen Außenbahnspieler der Mut, defensiv oft im Stich gelassen.
  • Aleksandar Pavlović: Note 4,0 Fand im Mittelfeldzentrum zu selten den Zugriff. Das sonst so gelobte Passspiel wirkte unter Pressingdruck gehemmt und querlastig. Nach knapp 60 Minuten erlöst.
  • Felix Nmecha: Note 4,0 Blass und ohne zündende Ideen im Übergangsspiel. Konnte dem Zentrum keine kreativen Impulse geben und schaffte es kaum, die Ketten des Gegners zu überspielen.
  • Florian Wirtz: Note 3,5 Noch der agilste der Kreativabteilung in der ersten Halbzeit. Versuchte viel, lief sich aber immer wieder in der vielbeinigen ivorischen Abwehr fest. Es fehlte die gewohnte Präzision im letzten Drittel.
  • Jamal Musiala: Note 4,5 Kam überhaupt nicht in seine berüchtigten Dribblings. Wurde von der ivorischen Defensive physisch komplett zugestellt und wirkte zunehmend frustriert. Nach 59 Minuten ausgewechselt.
  • Leroy Sané: Note 4,5 Erneut ein unglücklicher Auftritt. Viele Tempodribblings endeten in Ballverlusten oder hingenbliebenen Pässen. Aktuell fehlt ihm die Leichtigkeit und Effektivität.
  • Kai Havertz: Note 4,0 Als vorderste Spitze komplett in der Luft hängend. Konnte kaum Bälle festmachen oder gefährliche Räume kreieren. Blieb bis zu seiner Auswechselung harmlos.

Einwechselspieler

  • Antonio Rüdiger (ab 46.): Note 3,5 Brachte nach seiner Einwechslung zur Pause deutlich mehr körperliche Präsenz und Aggressivität in die wackelige Innenverteidigung, brauchte aber auch etwas Anlaufzeit.
  • Nadiem Amiri (ab 59.): Note 2,5 Ein echter Beleber. Brachte sofort den dringend benötigten Mut für vertikale Pässe ins Spiel und ordnete das zuvor so lethargische Mittelfeldzentrum.
  • Jamie Leweling (ab 59.): Note 3,0 Sorgte mit seiner Schnelligkeit und Gradlinigkeit über Außen sofort für Unruhe in der zuvor kaum geforderten ivorischen Abwehr.
  • Deniz Undav (ab 59.): Note 1,0 Der absolute Matchwinner. Zeigte eine phänomenale Effizienz und brutalen Torinstinkt. Stand beim Ausgleich goldrichtig und behielt in der 94. Minute eiskalt die Nerven, um das Spiel komplett zu drehen. Mehr kann man von einem Joker nicht erwarten.
  • Leon Goretzka (ab 84.): Ohne Note mei

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