Ein herber Dämpfer zur Unzeit: Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr letztes WM-Gruppenspiel im New York New Jersey Stadium mit 1:2 gegen Ecuador verloren.
Da der Gruppensieg und der Einzug ins Sechzehntelfinale nach den Siegen gegen Curaçao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) bereits im Vorfeld feststanden, bleibt die Niederlage tabellarisch bedeutungslos. Dennoch reißt eine beeindruckende Serie von elf Siegen in Folge – und Bundestrainer Julian Nagelsmann blickt auf eine fahrige, unkonzentrierte Vorstellung zurück, die für die anstehende K.-o.-Phase Warnung genug sein sollte.
Dabei erwischte das DFB-Team einen Traumstart: Bereits in der 2. Minute besorgte der stark kritisierte Leroy Sané die Führung nach Vorarbeit von Florian Wirtz. Die Entstehung war jedoch höchst umstritten. Aleksander Pavlović traf bei der Ballannahme Gegenspieler Pedro Vite mit hohem Bein am Kopf – ein klares Foulspiel, das weder von Schiedsrichterin Tori Penso noch vom VAR geahndet wurde.
- Ecuador, das zwingend einen Sieg zum Weiterkommen benötigte, schlug jedoch prompt zurück. In der 9. Minute leistete sich Felix Nmecha einen fatalen Ballverlust in der eigenen Hälfte, den Nilson Angulo mit einem strammen Abschluss zum 1:1 bestrafte. Manuel Neuer erwischte der Schuss auf dem falschen Fuß.
- In der Folge entwickelte sich eine zähe Partie, in der die DFB-Elf defensiv anfällig blieb und offensiv die letzte Konsequenz vermissen ließ.
- Auch die Einwechslungen in der zweiten Halbzeit brachten keine Stabilität. In der 76. Minute nutzte Gonzalo Plata eine erneute Unsicherheit in der deutschen Hintermannschaft und traf zum historischen 2:1-Sieg für „La Tricolor“.
Einzelkritik der deutschen Spieler
Torhüter & Abwehr
- Manuel Neuer: Note 4,5 Wieder kein Zu-Null-Spiel für den Routinier. Beim Ausgleich von Angulo (9.) wurde er unglücklich auf dem falschen Fuß erwischt, beim 1:2 durch Plata (76.) wirkte er im Stellungsspiel unsicher. Der erste gefährliche Schuss auf sein Tor war direkt wieder drin.
- Joshua Kimmich: Note 4,0 Auf der rechten Außenbahn defensiv mehrfach von den quirligen Ecuadorianern überspielt. Konnte nach vorne kaum Akzente setzen und wurde nach einer knappen Stunde (59.) erlöst und durch Thiaw ersetzt.
- Jonathan Tah: Note 4,0 Musste nach dem verletzungsbedingten WM-Aus von Schlotterbeck die Abwehr mitorganisieren, wirkte im Zusammenspiel mit Rüdiger jedoch alles andere als sattelfest. Bei den schnellen Gegenstößen Ecuadors oft einen Schritt zu spät.
- Antonio Rüdiger: Note 4,0 Rückte neu in die Startelf, agierte gewohnt physisch, verlor in den entscheidenden Momenten aber die Zuordnung. Die Abstimmung in der neu formierten Innenverteidigung funktionierte defensiv nur mangelhaft.
- David Raum: Note 4,5 Ersetzte den angeschlagenen Nathaniel Brown auf links. Hatte enorme Defensivprobleme gegen Angulo und Yeboah. Seine gefürchteten Flankenläufe blieben an diesem Abend komplett wirkungslos.
Mittelfeld
- Aleksander Pavlović: Note 4,0 Bereitete das 1:0 mit vor, hatte dabei aber enormes Glück, dass sein gefährliches Spiel gegen Vite nicht abgepfiffen wurde. Sah kurz vor der Pause Gelb (43.) und blieb zur Halbzeit aus Sicherheitsgründen in der Kabine.
- Felix Nmecha: Note 5,0 Ein Abend zum Vergessen. Sein schwerer Ballverlust im Aufbauspiel leitete den direkten Ausgleichstreffer durch Ecuador ein. Auch danach extrem fehlerbehaftet, ohne Bindung zum Spiel und folgerichtig in der 64. Minute ausgewechselt.
- Angelo Stiller (ab 46.): Note 4,0 Kam für Pavlović zur zweiten Halbzeit, konnte dem deutschen Zentrum aber ebenfalls keine Stabilität oder kreativen Impulse verleihen.
Angriffsreihe & Sturm
- Leroy Sané: Note 3,0 Der auffälligste deutsche Offensivspieler. Belohnte sich früh (2.) mit seinem ersten Turniertor überhaupt bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft. Versuchte viel, lief sich im weiteren Spielverlauf jedoch häufig fest. Trotzdem ein kleiner Schritt nach vorne.
- Jamal Musiala: Note 4,0 Blieb im Vergleich zu den ersten beiden Gruppenspielen blass. Ecuadors Defensive, angeführt von Moisés Caicedo, stellte die Räume geschickt zu. Musiala fand selten Lösungen im Eins-gegen-Eins.
- Florian Wirtz: Note 4,0 Leitete die Führung für Sané mit einem guten Auge ein, tauchte danach aber phasenweise komplett ab. Wurde in der 72. Minute für Pascal Groß ausgewechselt, um Kräfte für das Sechzehntelfinale zu schonen.
- Kai Havertz: Note 4,5 Als einzige echte Spitze völlig in der Luft hängend. Bekam kaum brauchbare Zuspiele aus dem Mittelfeld und konnte sich gegen die robusten Innenverteidiger Pacho und Ordóñez nie entscheidend durchsetzen. Nach 59 Minuten gegen Undav ausgewechselt.
Einwechselspieler mit Kurzeinsatz
- Deniz Undav, Malick Thiaw, Maximilian Beier, Pascal Groß: Ohne Note (kamen alle ab der 59. Minute oder später zum Einsatz und konnten der Partie keine entscheidende Wendung mehr geben). mei
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