Update: Das Stader Blutbad entwickelt sich zum Politikum - Fluchtfahrerin im Mittelpunkt

Gegen den 45-jährigen Haupttatverdächtigen im Zuge des sechsfach Mordes in Stade, einen türkischen Staatsangehörigen, wurde Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes erlassen.

 

Die Staatsanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und der niederen Beweggründe als erfüllt an. Hintergrund der Tat in einer Mutter-Kind-Wohngruppe war offenbar ein eskalierter Sorgerechtsstreit um seine drei Monate alte Tochter. Der Mann besaß keine waffenrechtliche Erlaubnis.

 

Die Rolle der Fluchtfahrerin (Sylvia S.)

 

Besonderes Augenmerk der Ermittlungen und der Medien liege auf der Fahrerin des Fluchtwagens – einer 65-jährigen Frau (in Berichten teils als Sylvia S. bezeichnet). Zu ihrer Person und ihrer Rolle kamen in den letzten Tagen entscheidende Details ans Licht:

  • Verbindung zum Täter: Die 65-Jährige soll arbeitete als Migrationsberaterin bei einer Organisation gearbeitet haben, die multinationale Ehen berät. In dieser Funktion habe sie den Tatverdächtigen betreut. Darüber hinaus habe sie eine sehr enge persönliche Bindung zur Familie aufgebaut und sei die Patentante des Babys, um das gestritten wurde.
  • Tiefe Involvierung im Vorfeld: Nur wenige Tage vor der Tat versuchte sie offenbar aktiv, den Sorgerechtsstreit öffentlich zu machen. Sie verschickte ein rund 20-seitiges Schreiben (Abhandlung der Ereignisse aus Sicht der Familie) an verschiedene Medien und Redaktionen, was zeige, wie tief sie emotional und organisatorisch in den Konflikt verstrickt sei.
  • Die Flucht: Nach den tödlichen Schüssen versuchte der 45-Jährige, in ihrem Auto zu fliehen, das sie steuerte. Die Polizei konnte das Fahrzeug jedoch schnell stoppen, indem Beamte gezielt auf die Reifen schossen.
  • Freilassung aus dem Gewahrsam: Trotz ihrer Rolle bei der Flucht habe die Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Untersuchungshaft gegen sie gestellt. Nach intensiver Vernehmung sei sie – genau wie die 34-jährige Mutter des Kindes – wieder aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen worden. Aus juristischer Sicht hätten die dringenden Haftgründe (wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr) für sie vorerst nicht ausgereicht, während die Ermittlungen zu einer möglichen Beihilfe andauerten.

Im Zuge der Ermittlungen wurde eine direkte familiäre Verbindung in die niedersächsische Landespolitik bekannt, die der betroffene Politiker umgehend selbst offengelegt habe: Bei der 65-jährigen Fluchtwagenfahrerin handelt es sich um die Schwiegermutter von Deniz Kurku (SPD), dem niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe.

  • Offenlegung: Deniz Kurku habe diese familiäre Verbindung über einen Rechtsanwalt öffentlich gemacht und zeitgleich seine tiefe Anteilnahme für die Opfer und deren Angehörige ausgedrückt.

  • Keine Mitwisserschaft: Es sei explizit betont worden, dass Kurku im Vorfeld keinerlei Kenntnisse oder Informationen über die geplante Tat des 45-jährigen Hauptverdächtigen hatte.

  • Politische Rückendeckung: Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und weitere Fraktionskollegen stellten sich umgehend hinter den Migrationsbeauftragten. Es sei klargestellt worden, dass aus dem Handeln der Schwiegermutter keinerlei persönliche oder politische Verantwortung für Kurku erwachse. Er sei ein hoch angesehener Abgeordneter und habe durch die sofortige, transparente Information der Öffentlichkeit vollkommen richtig gehandelt.

Die Ermittlungen konzentrierten sich derweil weiter darauf, inwieweit Sylvia S. im Vorfeld von den konkreten Absichten des Täters wusste. Der Hauptverdächtige selbst habe in Vernehmungen angegeben, er habe die Frau nach den Schüssen im Besprechungsraum gezwungen, das Fluchtauto zu steuern. mei

Foto: Pixabay