Nach dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay im Sechzehntelfinale und dem folgerichtigen Rücktritt von Julian Nagelsmann greift der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach dem letzten verbliebenen Strohhalm: Jürgen Klopp.
Die Nachricht, dass sich der Verband und der Wunschkandidat im Grunde einig sind, elektrisiert das Land. Doch während die sportliche Sehnsucht nach dem „Kloppo-Effekt“ riesig ist, droht hinter den Kulissen ein finanzielles Fiasko, das die Glaubwürdigkeit des DFB endgültig beschädigen könnte.
Es stellt sich die drängende Frage: Was darf, was soll ein Bundestrainer Jürgen Klopp verdienen?
Der absurde Preiskampf um den Volkstrainer
- Blickt man auf die nackten Zahlen, wird schnell klar, in welchen Dimensionen sich dieses Engagement bewegen wird. Julian Nagelsmann strich zuletzt rund 7 Millionen Euro im Jahr ein.
- Bei Joachim Löw lag das Peak-Gehalt bei etwa 4 Millionen Euro. Für Jürgen Klopp, so pfeifen es die Spatzen von den Dächern, wird diese ohnehin schon astronomische Summe für einen Verbandscoach nicht ansatzweise ausreichen.
- Klopp verdiente beim FC Liverpool zeitweise rund 18 Millionen Euro pro Jahr. Selbst in seiner aktuellen Rolle als „Global Head of Soccer“ bei Red Bull wird sein Salär auf 10 bis 15 Millionen Euro geschätzt.
- Dass der DFB nun erstmals im zweistelligen Millionenbereich – kolportiert werden Summen um die 10 Millionen Euro jährlich – kalkulieren muss, um den Heilsbringer zu finanzieren, grenzt an wirtschaftlichen Irrsinn. Hinzu kommt eine fällige Ablösesumme an Red Bull, da Klopp dort einen langfristigen Vertrag besitzt. Für einen Verband, der sich mühsam saniert hat und eigentlich bis 2029 schuldenfrei sein wollte, ist das ein unkalkulierbares Risiko.
Die Entkopplung von der Basis
Es ist eine gefährliche Doppelmoral, die sich hier abzeichnet:
- Einerseits betont Jürgen Klopp bei seinen Auftritten in New York korrekterweise, dass der deutsche Fußball an einem „Wendepunkt“ stehe und strukturelle, grundlegende Veränderungen brauche, die weit über eine Personalie hinausgehen.
- Andererseits treibt die Marktlogik sein potenzielles Gehalt in Höhen, die der normale Stadionbesucher und die tausenden Amateure an der Basis, die das Fundament des DFB bilden, nicht mehr nachvollziehen können.
- Ein Bundestrainer ist kein Clubcoach. Er steht nicht täglich auf dem Trainingsplatz, er muss keine teuren Sommertransfers managen. Sein Job ist moderativer, repräsentativer und zeitlich deutlich komprimierter. Ein Jahressalär von 10 Millionen Euro plus Boni für ein paar Länderspielphasen im Jahr ist moralisch und wirtschaftlich schlicht nicht zu rechtfertigen – selbst nicht für den charismatischsten Trainer der deutschen Fußballgeschichte.
Ein falsches Signal zur Unzeit
- Wenn der DFB dieses finanzielle Gesamtpaket schnürt, zementiert er den Eindruck eines gierigen, von der Realität entkoppelten Apparats. Was passiert, wenn der „Effekt Klopp“ verpufft? Wenn auch er in den verkrusteten Strukturen stecken bleibt? Dann sitzt der Verband auf dem teuersten Scherbenhaufen seiner Geschichte.
Jürgen Klopp sollte beim DFB nicht zeigen, wie gut er verhandeln kann, sondern wie sehr ihm die Rettung des deutschen Fußballs am Herzen liegt. Wenn er der Heilsbringer sein will, der den Fußball wieder zu den Menschen bringt, muss das auch beim Gehalt sichtbar sein. Ein Verzicht auf marktübliche Club-Millionen und ein Gehalt, das sich an der Realität eines gemeinnützigen Sportverbandes orientiert – sprich: maximal auf dem Niveau seines Vorgängers –, wäre das erste echte Zeichen des Aufbruchs. Alles andere ist nur die Fortsetzung des alten, kranken Systems mit einem populäreren Gesicht. mei
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