Fall Julian Reichelt: Journalistenverband will Aufklärung - "Neue Qualität"

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands Frank Überall hat nach der Entlassung des Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt eine weitergehende Aufarbeitung des Falles von Machtmissbrauch gefordert.

 

Zur Aufarbeitung dürfe aber nicht gehören, "dass die Whistleblower, die abweichendes Verhalten hinter den Kulissen gegenüber den Medien angeprangert haben, dass man die jetzt verfolgt", sagte Überall im phoenix-Interview. Es sei eine "neue Qualität" und das müsse auch so sein, dass solche Vorgänge wie bei Springer und der Bild-Zeitung öffentlich deutlich diskutiert würden.

 

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USA schauen bei Compliance-Vorfällen genauer hin

 

Überall verwies darauf, dass Springer auch auf dem US-Markt aktiv sei und mit KKR einen großen US-Investor unter seinen Anteilseignern habe. Die US-Gesellschaft und die Behörden schauten "bei Compliance-Vorfällen viel genauer hin mit zum Teil horrenden Schadensersatzklagen", erklärte Überall. Auslöser für die Entbindung Reichelts vom Posten des Bild-Chefredakteurs war offenbar ein langer Bericht in der New York Times am Montag.

 

Angst vor Machtmissbrauch

 

Medienberichten zufolge soll der Bild-Chefredakteur insbesondere gegenüber jüngeren Journalistinnen seine Macht missbraucht haben. Der Journalisten-Verbandschef sagte, auch im Boulevard-Journalismus würden richtig gute Journalistinnen und Journalisten gebraucht. "Wer soll denn noch in den Beruf kommen, wenn solche Sitten einreißen würden, wenn man Angst haben müsste in den Redaktionen, dass ein solcher Machtmissbrauch oder mutmaßlicher Machtmissbrauch tatsächlich stattfindet", so Überall.

 

Kritik am Ippen-Verlag

 

Kritik übte der Journalistenvorsitzende am Ippen-Verlag, der die Veröffentlichung der Recherche-Ergebnisse seines Investigativ-Teams über Reichelt unterbunden habe. "Das ist ein Verstoß gegen die innere Pressefreiheit in diesem Medienunternehmen Ippen", sagte Überall. pm, ots

 

English version

 

After the dismissal of Bild editor-in-chief Julian Reichelt, the chairman of the German Journalists' Association Frank Überall has called for a more extensive investigation into the case of abuse of power.

 

However, "whistleblowers who have denounced deviant behaviour behind the scenes to the media should not now be prosecuted", Überall said in an interview with phoenix. He added that it was a "new quality" and that this had to be the case that such events as those at Springer and the Bild-Zeitung were clearly discussed in public.

 

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USA takes a closer look at compliance incidents

 

Überall pointed out that Springer was also active on the US market and had a large US investor among its shareholders, KKR. The US company and the authorities "look much more closely at compliance incidents with sometimes horrendous claims for damages", explained Überall. The trigger for Reichelt's removal from the post of Bild editor-in-chief was apparently a long report in the New York Times on Monday.

 

Fear of abuse of power

 

According to media reports, the Bild editor-in-chief is said to have abused his power, especially towards younger female journalists. The head of the journalists' association said that really good journalists were also needed in tabloid journalism. "Who would still come into the profession if such mores were to break down, if one had to be afraid in editorial offices that such abuse of power or suspected abuse of power would actually take place," Überall said.

 

Criticism of the Ippen publishing house

 

The journalist chairman criticised the Ippen publishing house for preventing the publication of his investigative team's research results on Reichelt. "This is a violation of the internal freedom of the press in this media company Ippen," said Überall. pm, ots, mei

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Kommentare: 1
  • #1

    Eva (Mittwoch, 20 Oktober 2021 15:03)


    Machen Medien jetzt Gerichtsverfahren überflüssig? Die Medien dürfen jagen und gleichzeitig auch urteilen, ist das Ihr Ziel, Herr Überall? Wollen Sie Richter spielen?

    Sind in Ihrer Welt die Männer immer die Täter und die Frauen nur die Opfer, wer sagt Ihnen, ob diese Frauen immer die Wahrheit sagen?