COP26: Klimaökonom fordert Anhebung CO2-Preis auf 150 Euro pro Tonne

Klimaökonom Ottmar Edenhofer hat die Ampel-Verhandler zu einer deutlichen Anhebung des CO2-Preises aufgefordert.

 

"Wir brauchen 2030 einen Preis von 130 bis 150 Euro pro Tonne CO2, um wirksam den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken - und damit einen Beitrag zu leisten zur Begrenzung von Klimarisiken wie etwa Extremwetter", sagte der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "Auf eine solche Größenordnung für einen Preiskorridor sollte sich die Ampelkoalition einigen, um auch mit Blick auf andere Länder die Richtung vorzugeben."

 

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Jetzt müssen unbedingt die Weichen gestellt werden

 

Im Klimaschutzgesetz der scheidenden Bundesregierung ist ein Preisanstieg auf 55 Euro pro Tonne bis zum Jahr 2025 festgeschrieben. Das sei bis dahin zwar ausreichend. "Aber es müssen unbedingt jetzt die Weichen gestellt werden, um auch danach die Minderungsziele für den Verkehr und den Gebäudesektor zu erreichen", sagte Edenhofer der "NOZ".

 

Einahmen an die Bürger zurückgeben

 

Der Staat müsse die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Bürger zurückgeben, um soziale Härten abzuwenden, forderte der Wissenschaftler. "Bei einem CO2-Preis von 50 Euro pro Tonne und einer pauschalen Pro-Kopf-Rückerstattung bekäme ein Geringverdiener-Haushalt von vier Personen etwa 260 Euro pro Jahr nach Abzug der direkten Belastungen, die er durch den CO2 Preis zu tragen hat."

 

Geringverdiener haben einen kleineren CO2-Fußabdruck

 

Geringverdiener-Haushalte hätten in der Regel einen kleineren CO2-Fußabdruck als Besserverdiener. "Sie hätten durch die Rückerstattung also unter dem Strich mehr auf dem Konto. Die Kosten der CO2-Bepreisung würden von den mittleren und vor allem den reicheren Haushalten zu stemmen sein." Die Pro-Kopf-Erstattung sei zwar eine administrative Herausforderung. "Aber daran darf es nicht scheitern, eine soziale Balance zu schaffen", sagte Edenhofer.

 

Unterschied zwischen Stadt und Land ist nicht groß

 

Auch Einwände, Städter würden von der pauschalen Erstattung mehr profitieren als Menschen in ländlichen Regionen mit längeren Arbeitswegen und größeren Häusern, ließ der PIK-Direktor nicht gelten: "Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist gar nicht so gravierend, das haben wir durchgerechnet. Kommt es zu Schieflagen, kann man dem österreichischen Beispiel folgen und die Pro-Kopf-Erstattung regional differenzieren. Auch dafür finden sich also Lösungen." pm, ots

 

English version

 

Climate economist Ottmar Edenhofer has called on the traffic light negotiators to significantly increase the CO2 price.

 

"We need a price of 130 to 150 euros per tonne of CO2 in 2030 to effectively reduce greenhouse gas emissions - and thus contribute to limiting climate risks such as extreme weather," said the director of the Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) in an interview with the Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ). "The traffic light coalition should agree on such an order of magnitude for a price corridor in order to set the direction, also with a view to other countries."

 

It is imperative to set the course now

 

The outgoing federal government's climate protection law stipulates a price increase to 55 euros per tonne by 2025. That would be sufficient until then. "But it is imperative to set the course now in order to achieve the reduction targets for transport and the building sector thereafter," Edenhofer told the NOZ.

 

Returning revenues to the citizens

 

The state must return the revenues from CO2 pricing to the citizens in order to avert social hardship, the scientist demanded. "With a CO2 price of 50 euros per tonne and a flat-rate per capita refund, a low-income household of four would receive about 260 euros per year after deducting the direct burdens it has to bear due to the CO2 price."

 

Low-income households have a smaller carbon footprint

 

Low-income households would generally have a smaller carbon footprint than higher-income earners. "So they would have more on their bottom line as a result of the rebate. The costs of CO2 pricing would be borne by middle-income and especially richer households." The per capita reimbursement would be an administrative challenge. "But it must not fail to create a social balance," Edenhofer said.

 

Difference between town and country is not great

 

The PIK Director also rejected objections that city dwellers would benefit more from the flat-rate reimbursement than people in rural regions with longer commutes and larger houses: "The difference between city and country is not that great, we have calculated that. If there are imbalances, one can follow the Austrian example and differentiate the per-capita reimbursement regionally. So solutions can be found for that as well."

pm, ots, mei